Im Folgenden sollen wichtige Grundszenarien für virtuelles Lernen und Lehren aufgezeigt werden. Eine weitere Vertiefung würde an dieser Stelle zu weit führen und könnte Gegenstand einer eigenen Arbeit sein.
- Fernlehren
- verteiltes Lernen
- kooperatives Lernen
- hybrides Lernen / blended Learning (vergl. Arnold et al., 2004)
Fernlehren ist eine Ergänzung zum herkömmlichen Lehrangebot einer Universität. Seminare oder Vorlesungen aus anderen Bildungseinrichtungen werden per Video und Tonmitschnitt, meist auch mit den zugehörigen Präsentationsfolien unterlegt, übertragen. Diese Videostreams können auch vom privaten PC abgerufen werden, nach einer entsprechenden Freischaltung durch die Hochschule (Rechtemanagement spielt hier eine große Rolle). Vorteil der Fernlehre ist, man kann die vorhandene Lehre ergänzen und ausweiten. Bei gezieltem Einsatz einzelner ‚Gastvorträge’ kann eine abwechslungsreiche Lernumgebung geschaffen werden.
Es ist bei Liveübertragungen darauf zu achten, dass die Aufmerksamkeitsspanne nach 30 Minuten deutlich abfällt!
Beim verteilten Lernen stehen die Lernenden im Mittelpunkt, im Gegensatz zum Fernlehren, wo der Dozent den Mittelpunkt bildet. Die Lernenden stellen sich im besten Fall selbst ihren Stundenplan aus den im Netz angebotenen Lernelementen (Fernlernangebote, Datenbanken, freie E-Learning Angebote kooperierender Hochschulen) zusammen. Bisher bestanden noch Schwierigkeiten in der Anerkennung der Studienleistungen, welche nicht an der Heimatuniversität erbracht wurden. Durch den Bologna Prozess und die damit verbundene Einführung der ECTS Punkte, sollten die Schwierigkeiten in diesem Bereich entschärft werden. Dies bietet den Studierenden die Möglichkeiten ‚on demand’ (Lernen nach Bedarf) oder ‚just in time’ (zeitnahes Lernen) zu lernen.
Dem Lernenden wird auf diese Art relativ viel Selbstorganisation ermöglicht, diese jedoch fordert ausgeprägte Fertigkeiten im Bereich des Selbstmanagements.
Durch kooperatives Lernen werden Gruppenprozesse verstärkt. Im Gegensatz zum Fernlehren und verteilten Lernen werden die Lerninhalte von der Gruppe gemeinsam gewählt und bearbeitet. Der Dozent nimmt hier mehr die Rolle eines Moderators oder Tutors ein. Das kooperative Lernen ermöglicht synchrone* sowie asynchrone** Kommunikationsmöglichkeiten.
„Dieses Szenario scheint als virtuelle Lernform besonders Erfolg versprechend zu sein, da die Vernetzung außer den Kommunikationswegen auch neue Formen der gemeinsamen Datensammlung und der Aufbereitung sowie Präsentation erarbeiteter Inhalte zur Verfügung stellt“ (Arnold et al., 2004:94).
Die Kombination aus kooperativem Lernen und den Applikationen des Web 2.0 scheinen hier ein zukunftsträchtiges Potenzial zu haben.
*Unter synchroner Kommunikation werden Interaktionen ohne gravierende zeitliche Verzögerungen verstanden. Dies kann ein Chat oder eine Videokonferenz sein, oder auch das klassische Telefonat. Wird Lehrstoff an der Tafel und im Gespräch vermittelt, entspricht dies einer klassischen Lernsituation mit synchroner Kommunikation.
**Asynchrone Kommunikationsformen sind im Gegensatz zu den synchronen nicht gleichzeitig. E-Mail oder Diskussionsforen zählen zu dieser Kommunikationsform. Für das klassische Lernszenario wäre dies die korrigierte/kommentierte Rückgabe einer schriftlich anzufertigenden Aufgabe des Lerners durch den Lehrer.
Blended Learning/hybrides Lernen, eine weitere Lernform, die seit Beginn des Jahres 2000 vermehrt zur Anwendung kommt, besteht aus der Vermischung von Präsenzunterricht mit online Elementen. „Blendet learning: Learning events that combine aspects of online and face-to-face instruction“ (ASTD).
Ziel ist, aus beiden Wissensvermittlungsstrategien die Vorteile zu extrahieren und die Nachteile zu unterbinden, indem man Präsenzlehre und Distanzlehre kombiniert. Die rein lehrerzentrierten Phasen werden durch Onlineelemente aufgelockert, jedoch ist auch hier die Lernstruktur durch den Lehrer vorgegeben. Es handelt sich somit nur um eine partiell selbstbestimmte Lernorganisation. Vorteile dieser Methode sind m. E. eine vorsichtige Heranführung des Lerners an online Lernarrangements. Erste Eindrücke können gesammelt werden, ohne dass der Anteil der Selbstorganisation die Lernenden überfordert. Durch zeitliche Vorgaben (online Aufgaben müssen bis zum Präsenztermin erledigt werden),wird der Gefahr Einhalt geboten, dass sich ein unerfahrener Lerner zu sehr in Details verliert und den Fokus auf die gestellte Aufgabe verliert. Auf diese Art können die verschiedenen Etappen bis zum Lernziel abgearbeitet und in den Präsenzphasen besprochen werden (Feedback ist gerade bei unerfahrenen Lernen wichtig und motivationsfördernd) werden. Blended learning muss den spezifischen Anforderungen und Rahmenbedingungen einer Lehrveranstaltung nach Konzipiert werden.
Eine Studie*** die Wirtschaftsinformatiker zusammen mit dem Competence Center eCommerce der RUB im Sommersemester 2005 mit circa 330 Studierenden durchgeführt haben, kam zu dem Ergebnis, dass der Lernerfolg beim Lernen zu Hause und mit traditionellen Lernmedien am größten ist. Reines online Lernen wurde von den Teilnehmern subjektiv als nicht sehr erfolgreich bewertet. Die Mischung aus Präsenz- und Onlinelernen hingegen erbrachte einen hohen Lernerfolg und große Zufriedenheit unter den Lernenden. Das reine Onlinelernen weckte zwar die Neugierde der Lernenden, jedoch wurden diese eventuell durch Beispiele und Animationen zu sehr vom wesentlichen Lernziel abgelenkt. Fazit: Blended Lerning scheint das Erfolgsrezept für gelungenes Lernen im 21. Jahrhundert zu sein. Der Lernende kann sich zu einem großen Teil die Arbeitszeit und den Ort flexibel gestalten, während die Präsenztermine dabei helfen, das Lernziel nicht aus den Augen zu verlieren (vgl. Janus, 2006).
***Studie von Roland Gabriel, Martin Gersch, Peter Weber, Christian Venghaus: “Blended Learning Engineering: Der Einfluss von Lernort und Lernmedium auf Lernerfolg und Lernzufriedenheit”. Untersuchung selbst wird im Tagungsband der Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2006 erscheinen, die vom 20. bis 22. Februar in Passau stattfand.
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Literaturverzeichnis:
- American Society for Training and Development http://www.learningcircuits.org/glossary.html [09.10.2006].
- Arnold, P., Kilian, L., Thillosen, A. & Zimmer, G. (2004). E-Learning. Handbuch für Hochschulen und Bildungszentren. Diadaktik, Organisation, Qualität. Nürnberg: BW. 1. Auflage.
- Janus, A. (2006): Blended Learning Engineering. Gesucht wird der richtige Mix zwischen On- und Offline. http://www.checkpoint-elearning.de/ article/2377.html. [09.10.2006].
Dies ist ein Textauszug aus:

“E-Learning Projekte im Kunsthistorischen Kontext”(2006) by Daniela Bamberger M.A. is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 2.0 Germany License
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